Mythen und Legenden
Teil III: Die "Mittagspause"

 

I. Beleuchtungsdauer II. Beleuchtungsstärke III. Die "Mittagspause" IV. Anmerkung

  (Klicken öffnet größere Bilder)

Auch im Zusammenhang mit der Beleuchtungs-"Mittagspause" werden immer wieder Behauptungen aufgestellt, die einer näheren Überprüfung nicht standhalten.

"Aquarienbeleuchtungen reichen sowieso nie und nimmer an die natürliche Beleuchtungsstärke heran."

Übliche Aquarienbeleuchtungen erreichen nicht die maximale, natürliche Beleuchtungsstärke, das ist richtig. Aber das ist auch gar nicht notwendig, denn die allermeisten Wasserpflanzen können so hohe Beleuchtungsstärken gar nicht mehr in Photosyntheseaktivität umsetzen.

Im Bild 5 habe ich den Verlauf der Sonnenenergieeinstrahlung für mittlere Breiten in Wattsekunden pro Quadratzentimeter je Tagesstunde und je Monat dargestellt. Für die Tropen liegen mir solche Daten leider nicht vor. Mit ein bisschen Herumrechnen findet man, daß 12 Stunden künstliche Beleuchtung mit 30 Kilolux Beleuchtungsstärke aus Dreibanden-Leuchtstofflampen (blaue Kurve in Bild 4) der Energieeinstrahlung eines vollsonnigen März- oder Septembertags in Mitteleuropa entsprechen (rote Kurve in Bild 4). Das ist zwar eine sehr kräftige, aber bei weitem nicht unrealistische Aquarienbeleuchtung.

Die Behauptung ist falsch!

 

"Selbst bei vollkommen bedeckten Himmel ist die Lichtstärke in der Natur noch um ein vielfaches höher wie die beste Beleuchtung im Becken."

Wer das behauptet, hat schlicht und ergreifend noch nicht selbst gemessen. Eigene Messungen bei einem Sommerregen ergaben 2 bis 3 klx im Garten. Die Beleuchtungsstärken im Aquarium sind um ein mehrfaches höher, selbst bei der funzeligsten Sparbeleuchtung eines Billig-Aquariensets.

Die Behauptung ist falsch!

 

"In der Natur schaltet auch nicht jeden Tag jemand mittags das Licht für mehrere Stunden aus."

In der Natur brennt aber auch nicht von morgens bis abends, tagein, tagaus, Monat für Monat die Sonne mit ständig gleichbleibender Intensität vom Himmel, wie es unsere Aquarienbeleuchtung tut. Zudem wird es bei üblicher Aquarienaufstellung im Zimmer nach Abschalten der Aquarienbeleuchtung um die Mittagszeit auch nicht stockfinster im Aquarium.

Die Behauptung ist in dieser Pauschalität falsch!

"Die Mittagspause bringt die Pflanzen aus dem Rhythmus."

Die Pflanzen richten ihren Stoffwechselrhythmus nicht an der Länge der Beleuchtungsphase, sondern der Länge der Dunkelphase aus. Während eine selbst mehrstündige Unterbrechung der Hellphase keinen Einfluß hat, reicht bereits kurzzeitiges, nur minutenlanges Licht in Vollmondstärke während der Dunkelphase, um um den Rhythmus zu stören (nach Sitte/Ziegler/Ehrendorfer/Bresinsky, "Strasburger Lehrbuch der Botanik"). Das so in Mode gekommene "Mondlicht" oder "Nachtlicht" bewerte ich in dieser Hinsicht wesentlich kritischer, zumal die oft dazu verwendeten superhellen LEDs ein Vielfaches der Vollmondstärke erreichen.

Die Behauptung ist falsch!


Bild 5: Sonnenenergieeinstrahlung



left_s.gif (1093 Byte) home_s.gif (1921 Byte) forward.gif (690 Byte)
[Teil II] [zurück] [Teil IV]